Tägliches Basis-Training Stimmbildung


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Drei Phasen

Man muss nicht unbedingt immer das ganze Programm durcharbeiten. Einsingen soll keine starre Pflichtübung sein. Es können – je nach persönlichem Befinden bzw. Tagesform – auch einzelne Übungen ausgewählt werden, die einem den schnellen Einstieg in Stimmbildung und Singen erleichtern. Oder man erfindet eigene Variationen zu den Übungen, die einem vielleicht besser gelingen. Ein sicheres Gefühl für die Fitness der eigenen Stimme zu entwickeln – das ist das Wichtigste. Im Laufe der Zeit findet so jeder sein ganz individuelles Trainingsprogramm.

Lockern

Aufwärmen

Stimme aktivieren


1. Lockern (Basis-Training Stimmbildung – Phase 1)

Lockerungsübung für Hals-Nacken-Schulterbereich

Stehen, Körpergewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilen. Knie nicht durchdrücken. Arme hängen locker seitlich herab.

♦ Übung

Jede Übung 3x wiederholen.

  • Rechte Schulter anheben; 5 Sek. halten; wieder fallen lassen. 3 Sek. Pause.
  • Linke Schulter anheben; 5 Sek. halten; wieder fallen lassen. 3 Sek. Pause.
  • Schulterblätter zusammendrücken (kein Hohlkreuz!) 5 Sek. halten; entspannen. 3 Sek. Pause.
  • Beide Schultern anheben; 5 Sek. halten; wieder fallen lassen. 3 Sek. Pause.
  • Kopf zu einer Seite neigen; 5 Sek. halten; wieder in Ausgangsstellung. 3 Sek. Pause
  • Kopf zur anderen Seite neigen; 5 Sek. halten; wieder in Ausgangsstellung.

Lockerung der Kaumuskulatur und des Kiefergelenkes

♦ Übung

Jede Übung 5x wiederholen.

  • Kontrollierte Kieferöffnung mit der Zunge am Gaumen.
  • Rechts und links Unterkiefer gegen leichten Druck der flachen Hand drücken.
  • Öffnung des Kiefers gegen leichten Druck der Faust.
  • Maximale Öffnung mit Unterstützung der Finger zur Dehnung der Schließmuskel und der Kiefergelenke.

Lockerung der Gesichtsmuskulatur

♦ Übung 1

  • Lautes Gähnen.
  • Lippen flattern lassen (Lippen locker aufeinanderlegen, anblasen).
  • Kopfschütteln mit schlaffen Wangen, hängenden Lippen, lockeren Unterkieferbewegungen.
  • Mit den Fingern Gesicht abwärts und seitwärts ausstreichen.
  • Gesichts-Tapping: mit lockeren Fingern über das Gesicht klopfen.

♦ Übung 2

Jede Übung 5x wiederholen.

  • Stirn kräftig runzeln.
  • Augenbrauen fest zusammenziehen („böse gucken“).
  • Augen fest schließen.
  • Lippen aufeinander pressen.
  • Zunge gegen den Gaumen drücken.

2. Aufwärmen (Basis-Training Stimmbildung – Phase 2)

Wie im Sport

Auch hier haben wir wieder den Bezug zum Sport, denn Singen ist Muskelarbeit, und ein Muskel, der Leistung erbringen soll, muss aufgewärmt sein. Die erste Vorbedingung dafür ist: Wach sein. Wer seine Stimme schon früh am Morgen einsetzen muss, sollte früher aufstehen. Die Stimme braucht – egal wie viel Übungen man macht – eine gewisse Anlaufphase, damit sie ganz fit ist. Der Körper sollte, wie beim Sport, nicht im Ruhemodus, sonder wach und aktiv sein.

Wer schwitzt, singt gut!

Der Kreislauf sollte also angeregt sein, Körper und Geist sollten ganz allgemein in einem aufgeweckten Aktivitätszustand sein. So wäre es zum Beispiel nicht die schlechteste Vorübung für das Singen, ein wenig zu Joggen oder Rad zu fahren, denn mit der Durchblutung wird auch die Muskulatur des Gesangsapparates aufgewärmt. Das lässt sich natürlich nur in den wenigsten Fällen wirklich umsetzen. Kleinere Übungen sind hier besser geeignet, denn sie lassen sich überall ausführen. Zum Beispiel Kniebeugen, auf der Stelle laufen und so weiter. Egal, wie man es angeht, es gilt das Prinzip: Wer schwitzt, singt gut!

♦ Übung

Eine sehr effektive Übung für das ganz schnelle Anregen des Kreislaufs ist das Abklopfen. Dabei werden Unter- und Oberarme, Schulter und Brust mit lockeren Fäusten abgeklopft. Als Partnerübung kann man noch den oberen Rücken (Schulterblätter) dazu nehmen. Dabei darf ein kräftiger Massagedruck angewendet werden, so dass es angenehm unter der Haut prickelt. Das muss man nicht länger als 20-30 Sekunden machen, und sofort stellt sich eine bessere Durchblutung – und damit Stimmqualität – ein.


3. Stimme Aktivieren (Basis-Training Stimmbildung – Phase 3)

Den „Motor“ starten: Das Zwerchfell

♦ Übung: Konsonanten-Impulse (ohne Stimmbandeinsatz)

Tempo: ca. 90bpm
Jede Zeile mehrmals wiederholen

Zählen:   1   +   2   +   3   +   4   +
Viertel:  s       s       s   -   -   -
Achtel:   s   s   s   s   s   -   -   -
16tel:    s s s s s s s s s   -   -   -

Weiter mit allen anderen Konsonanten:

f – f – f …  —  sch-sch-sch … usw.

s, f, sch, p, t, k

Das Zwerchfell soll jeden einzelnen Konsonanten mit einem deutlichen Impuls betonen. Die Zwerchfellbewegung soll dabei die gleiche sein, wie beim leichten Husten („Hüsteln“). Die übrige Körperhaltung soll ganz entspannt und ausbalanciert sein. Es soll nur das Zwerchfell arbeiten.

Erst mal langsam anfangen, die 16tel-Übung erst nach einiger Zeit mit einbauen.

Wenn das Zwerchfell verkrampft: Aufhören – langsamer machen.

♦ Übung: Vokal-Impulse (mit Stimmbandeinsatz)

mâ - mô – mâ - mô – mâ - mô –  …

Immer im Wechsel fortlaufend sehr laut sprechen. Den enthaltenen Vokal („a“ bzw. „o“) so laut wie möglich produzieren (=> Akzentzeichen ^). Dabei wieder die Impulse mit dem Zwerchfell geben (siehe oben). Körperhaltung auch hier ruhig und entspannt. Kein Mitbewegen von Kopf/Schulter usw.

Kann mit Phantasie variiert werden, z.B.:

pâ–pô, sâ–sô, mâ–mî, dâ–dû, hî-hê … usw.

 

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