Nur ein guter Sänger kommt hoch hinauf?


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Ein guter Sänger kommt hoch hinauf.

Wenn das wahr wäre, dann…

…wären beispielsweise die folgenden keine guten Sänger:

Elvis Presley, Jim Morrison, Frank Sinatra, Michael Bublé, Eddie Vedder, David Bowie, John Lennon, Tom Jones, Ville Valo

Diese Sänger singen hauptsächlich in der mittleren Lage „Bariton“. Auch manche Sängerinnen wären demnach nicht „gut“, beispielsweise:

Cher, Tony Braxton, Shania Twain, Karen Anne Carpenter, Adele, Lana Del Rey, Amy Winehouse

Diese Sängerinnen singen hauptsächlich in der mittleren Lage „Mezzosopran“ oder im tieferen „Alt“.

Info:

Gesangsstimmen werden in verschiedene Lagen eingeteilt, die vom jeweiligen Stimmunfang abhängen. Diese Einteilung hat eine lange Tradition und kommt eigentlich aus dem Operngesang, wo man sie auch Stimmfächer nennt. Im Popgesang ist diese strikte Einteilung weniger gebräuchlich, da es hier eine viel größere Variationsbreite als im streng klassifizierten Operngesang gibt. Manche Pop-Stimmen singen gar mühelos über mehrere „Stimmfächer“ hinweg (z.B. Mariah Carey, Freddie Mercury). Außerdem werden in der Pop-Musik und vor allem in der Rock-Musik auch noch andere Ausdrucksmöglichkeiten und Stilmittel zur Variation des Stimmklanges eingesetzt (z.B. Belten, Growl usw. – und eigentlich alles, was die Stimme sonst noch hergibt).

In der Popmusik sind die meisten Männerstimmen vergleichbar mit dem Bariton im Operngesang (tiefere Stimmen) oder Tenor (höhere Stimmen). Analog dazu bei Frauenstimmen der Mezzosopran (tiefer) und der Sopran (höher). Daneben gibt es auch noch die ganz tiefen Lagen, die jedoch in der Popmusik eine untergeordnete Rolle spielen („Bass“ bei den Männern und „Alt“ bei den Frauenstimmen).

Richtig ist:

Die Stimmlage gehört zu den körperlichen Anlagen eines Menschen, so wie die Hautfarbe oder Schuhgröße, und läßt sich nicht durch Training ändern. Als Vergleich: Ein Kontrabass im Orchester wird wohl kaum den Part einer Piccoloflöte spielen können, er klingt nun einmal in einer viel tieferen Lage. Anders herum erreicht die Piccoloflöte nicht annähernd solch tiefe Töne wie der Kontrabass, wie perfekt sie auch gespielt wird. Über die musikalischen Fähigkeiten des Flötisten oder des Bassisten macht das natürlich keine Aussage.

Qualität und Schönheit des Gesangs hängen ebenfalls in keiner Weise damit zusammen, wie hoch der jeweilige Sänger singen kann, sondern allein mit seinen gesanglichen Fähigkeiten, seiner Musikalität und seiner sängerischen Ausdrucksfähigkeit, mit der er seinen ganz individuellen Stimmklang prägt. Ganz gleich in welcher Lage.

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